Was ist eine Bedrohungs- und Risikoanalyse?
Der hohe Stellenwert der Informationstechnologien im Unternehmen fordert eine umfassende Identifizierung und Bewertung der damit verbundenen Sicherheitsrisiken. Einen elementaren Bestandteil des IT-Risikomanagements bilden hierbei sogenannte Bedrohungs- und Risikoanalysen. Auf Basis langjähriger Praxiserfahrung unterstützt Sie unser Unternehmen bei der auf Ihre Anforderungen zugeschnittenen Umsetzung solcher Analysen.
Abhängig vom Anwendungskontext kommen hierbei unterschiedliche Methoden der entsprechenden Normen zum Einsatz. Die Realisierung einer Bedrohungs- und Risikoanalyse für klassische IT-Umgebungen orientiert sich üblicherweise an ISO/IEC 27005. Bei der Bedrohungs- und Risikoanalyse (TRA) im Kontext industrieller Automatisierung (IACS) und OT-Infrastrukturen wird die IEC 62443 berücksichtigt. Für Fahrzeuge und Steuergeräte erfolgt eine TARA (Threat Analysis and Risk Assessment) nach ISO/SAE 21434.
Ziel
Bewertung des Risikos für IT-Umgebungen oder einzelner Komponenten basierend auf definierten und erarbeiteten Bedrohungsszenarien
Fragestellung
Welche Sicherheitsrisiken, ausgehend von Bedrohungsszenarien, existieren für eine IT-Umgebung oder einzelne Komponenten?
Scope
IT-Umgebungen oder einzelne Komponenten
Bedrohungsanalyse: Strukturierte Identifikation von IT-Bedrohungen
Die Bedrohungsanalyse ist ein strukturierter Ansatz zur Identifikation und Evaluation von möglichen IT-/ OT-basierten Bedrohungen bezogen auf eine IT-Umgebung, ein IT-System oder eine Anwendung. Im Rahmen eines IT-Sicherheitsassessments ermöglicht die Bedrohungsanalyse einem Prüfer relevante Bedrohungs- und Angriffsszenarien für nachgelagerte Prüfungen zu identifizieren. Des Weiteren stellt die Bedrohungsanalyse die Grundlage für eine fundierte Risikoanalyse dar.
Dadurch bildet der bewährte Ansatz der Bedrohungsanalyse die Basis für weitere (technische) Assessments und Analysen und erreicht eine hohe Abdeckung der real existierenden Bedrohungslandschaft.
Typische Bedrohungs- und Angriffsszenarien, die wir in einer Bedrohungsanalyse betrachten, reichen je nach Untersuchungsobjekt von Datendiebstahl durch privilegierte Insider über kompromittierte Lieferanten- und Dienstleister-Zugänge, Ransomware-getriebene Betriebsunterbrechungen und das Umgehen von Authentisierungsmechanismen bis hin zur Manipulation eingebetteter Steuergeräte (z. B. im Automotive- oder OT-Umfeld). Welche Szenarien relevant sind, ergibt sich aus dem Kontext, den schützenswerten Assets und der jeweiligen Bedrohungslandschaft.
Die Bedrohungsanalyse besteht dabei aus folgenden Bestandteilen:
- Workshop, Interviews und/oder Analyse bereitgestellter Dokumente
- Erfassung des Kontexts
- Erfassung der Assets (z.B. schützenswerte Informationen oder Prozesse)
- Identifikation und Analyse von spezifischen Bedrohungs- und Angriffsszenarien
- Definition der nächsten Schritte
- Dokumentation und Vorstellung der Ergebnisse
Die Bedrohungsanalyse basiert auf verschiedenen Methoden und Standards:
- IT-Risikomanagement nach ISO / IEC 27005
- TRA nach IEC 62443
- TARA nach ISO / SAE 21434
- STRIDE Threat Model
- OWASP Threat Modeling
Die Ergebnisse sind die Grundlage für die nachfolgende Risikoanalyse und bieten ein Basisset an relevanten Bedrohungs- und Angriffsszenarien für die Durchführung von Sicherheitsassessments (z.B Penetrationstests ).
Risikoanalyse: Bewertung & Behandlung von IT-Sicherheitsrisiken
Im Rahmen der Risikoanalyse werden auf Basis der zuvor definierten Bedrohungsszenarien konkrete Risiken für eine IT-Umgebung, ein IT-System oder eine Anwendung bewertet. Die Norm ISO/IEC 27005, als Teil der ISO 2700X-Familie, bietet hierzu Leitlinien für das Informationssicherheitsrisikomanagement.
Die Risikoanalyse besteht dabei aus folgenden Bestandteilen:
- Workshop, Interviews und/oder Analyse bereitgestellter Dokumente
- Erfassung vorhandener Security Controls
- Erfassung grundlegender Informationen aus dem IT-Risikomanagement und dem Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) des Auftraggebers
- Identifikation und Bewertung von Risiken hinsichtlich:
- Möglicher Business Impact
- Analyse von Angriffspfaden
- Bewertung der Durchführbarkeit von Angriffen
- Bestimmung des Risikowertes
- Risikobehandlung und -priorisierung
- Beschreibung und Zuordnung konkreter Maßnahmen
- Dokumentation und Vorstellung der Ergebnisse
Als Ergebnis erhalten Sie eine Aufstellung der identifizierten Sicherheitsrisiken zusammen mit einer fundierten Risikobewertung und Empfehlung möglicher technischer oder organisatorischer Maßnahmen.
Methoden im Vergleich: ISO 27005, T(A)RA, STRIDE und OWASP
Welche Methodik bei einer Bedrohungs- und Risikoanalyse zum Einsatz kommt, hängt vom Untersuchungsobjekt, der Branche und dem regulatorischen Kontext ab. Die etablierten Verfahren im Überblick:
| Methode | Fokus | Wann passend |
|---|---|---|
| ISO/IEC 27005 | Allgemeines IT-Risikomanagement, integraler Bestandteil der ISO 27000-Familie | Unternehmensweite Sicherheitsbewertungen, ISMS-Konformität, branchenübergreifende Anwendung |
| TRA – IEC 62443 | Bedrohungs- und Risikoanalyse für die industrielle Automatisierung (IACS) und OT-Infrastrukturen | Industrielle Steuerungsanlagen, Produktionssysteme, Fabrikautomatisierung und kritische Infrastrukturen nach IEC 62443-3-2 / 4-1 |
| TARA gemäß ISO/SAE 21434 | Threat Analysis and Risk Assessment für Fahrzeug- und Cybersecurity-Engineering (inkl. Impact-Bewertung nach SFOP) | Fahrzeuge, E/E-Systeme und Komponenten im Geltungsbereich von ISO/SAE 21434, UNECE R155 oder entsprechenden Kundenanforderungen; TARA-ähnliche Vorgehensweisen können für produktbezogene CRA-Risikobewertungen adaptiert werden |
| STRIDE | Bedrohungsklassifikation entlang von Spoofing, Tampering, Repudiation, Information Disclosure, Denial of Service und Elevation of Privilege | Architektur- und Designphase, strukturiertes Threat Modeling technischer Systeme |
| OWASP Threat Modeling | Web-, API- und Anwendungssicherheit, getrieben durch typische Angriffsmuster | Webanwendungen, APIs, mobile Apps, anwendungsnahe Sicherheitsbewertungen |
In der Praxis kombinieren wir Methoden abhängig vom Anwendungskontext: etwa eine TARA gemäß ISO/SAE 21434 mit einer Schadensbewertung basierend auf den SFOP-Kriterien (Safety, Financial, Operational und Privacy) für Steuergeräte, eine TRA gemäß IEC 62443 mit einer STRIDE-Modellierung für OT- oder IoT-Systeme, oder eine ISO/IEC 27005-basierte Bedrohungsanalyse mit anschließendem OWASP-getriebenen Webanwendungs-Pentest. Entscheidend ist, dass die gewählte Methodik die spezifischen Anforderungen Ihres Untersuchungsobjekts abdeckt.